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KI6 min Lesezeit· 18. Juni 2026

WebMCP erklärt: Wie Websites für KI-Agenten zugänglich werden

WebMCP ist ein neuer Web-Standard von Google, der es Websites erlaubt, strukturierte Tools für KI-Agenten zu deklarieren. Statt Screenshots zu analysieren, weiß der Agent genau, welche Aktionen möglich sind. Was das bedeutet, wie es funktioniert und warum es für Website-Betreiber jetzt relevant wird.

Menasse Gebregzi
WebMCP erklärt: Wie Websites für KI-Agenten zugänglich werden

Wenn ein KI-Agent heute eine Website besucht, um eine Aufgabe zu erledigen, ist es meistens ein bisschen wie Blindflug. Der Agent sieht, was sichtbar ist: Buttons, Felder, Texte. Er versucht, ihre Bedeutung zu erraten — durch den HTML-Code, durch den Accessibility Tree, manchmal buchstäblich durch Screenshots. Das funktioniert, aber nicht zuverlässig. Ein ungewöhnliches Button-Label, ein dynamisch geladenes Formular, ein mehrstufiger Prozess — und der Agent scheitert oder macht Fehler.

WebMCP löst dieses Problem grundlegend. Statt raten zu lassen, erklärt die Website dem Agenten direkt: Das kannst du hier tun. So geht es. Das sind die Parameter.

Was WebMCP ist

WebMCP ist ein neuer Web-Standard, den Google bei Google I/O 2026 vorgestellt hat und der sich aktuell in einem Origin Trial für Chrome 149+ befindet. Er erlaubt es Website-Betreibern, sogenannte Tools zu registrieren — strukturierte Funktionen, die KI-Agenten im Browser aufrufen können.

Ein Tool hat einen Namen, eine Beschreibung und ein klar definiertes Schema für Eingabeparameter. Der Agent weiß dadurch, was er tun kann, bevor er es versucht. Das ist fundamental anders als bisherige Ansätze, bei denen der Agent die Seite interpretieren muss.

WebMCP ist als progressive Enhancement gedacht: Websites, die es implementieren, bieten Agenten eine präzise Schnittstelle. Websites ohne WebMCP funktionieren weiterhin — nur mit weniger Zuverlässigkeit bei agentischer Nutzung.

Ein konkretes Beispiel

Stell dir vor, jemand nutzt einen KI-Assistenten und sagt: Frag auf der eyedia-Website nach einem kostenlosen Erstgespräch, Thema Website für Makler, mein Name ist Müller, E-Mail ist mueller@beispiel.de.

Ohne WebMCP: Der Agent öffnet die Seite, versucht das Kontaktformular zu finden, zu verstehen, welche Felder es hat, und die Daten einzutragen. Das kann funktionieren — oder nicht, je nach Formularstruktur.

Mit WebMCP: Die Website hat ein submit_contact_form Tool registriert. Der Agent ruft es direkt auf — mit den richtigen Parametern, in der richtigen Reihenfolge, ohne Interpretation. Das Formular wird korrekt ausgefüllt und abgeschickt. Zuverlässig, in Sekunden.

Die zwei Wege zur Implementierung

WebMCP bietet zwei APIs:

  • Declarative API: HTML-Formularelemente werden mit speziellen Attributen annotiert. Die einfachste Form der Implementierung — kein JavaScript nötig, nur HTML-Attribute, die dem Browser und KI-Agenten die Semantik erklären.
  • Imperative API: Per JavaScript wird ein Tool explizit mit Namen, Beschreibung, Parameterschema und einer execute-Funktion registriert. Die flexiblere und mächtigere Variante — geeignet für komplexere Interaktionen wie mehrstufige Prozesse, Navigation oder Zustandsabfragen.

Die imperative API sieht so aus: document.modelContext.registerTool() bekommt einen Namen, eine Beschreibung, ein inputSchema mit den erwarteten Parametern und eine execute-Funktion, die den eigentlichen API-Call ausführt. Der Agent weiß dadurch exakt, welche Parameter er übergeben muss und was er als Antwort erwarten kann.

Warum das für Website-Betreiber relevant ist

Heute nutzen noch wenige Besucher KI-Agenten, um Formulare auszufüllen oder Aktionen auf Websites auszuführen. Aber das ändert sich schnell. Chrome baut Agentic-Fähigkeiten direkt in den Browser ein. Perplexity, ChatGPT und andere Tools integrieren Browser-Agenten in ihre Produkte. Und Google misst mit Lighthouse 13.3 bereits, ob Websites WebMCP korrekt implementieren.

Wer WebMCP heute implementiert, ist vorbereitet. Wer wartet, rüstet nach — wenn der Druck schon da ist.

Hinzu kommt: WebMCP-Tools sind sichtbar für Agenten, die nach Aktionsmöglichkeiten suchen. Eine Website, die klar deklariert, was man dort tun kann, wird von Agenten bevorzugt genutzt — genauso wie eine sauber optimierte Seite von Google bevorzugt indexiert wird.

Was heute schon möglich ist — und was noch kommt

WebMCP befindet sich im Origin Trial. Das bedeutet: Es ist einsatzbereit für Entwickler, die sich registrieren, aber noch kein stabiler Browserstandard. Chrome 149+ unterstützt es hinter einem Flag für lokale Tests.

Die Roadmap ist klar: Integration in Chrome DevTools, dann in PageSpeed Insights, dann in den Standard. Der Zeitraum: Monate, nicht Jahre. Wer jetzt mit der Implementierung beginnt, kann die Entwicklung begleiten und steht bereit, wenn WebMCP zum Standard wird.

eyedia implementiert WebMCP auf eyedia.de

eyedia.de hat WebMCP für die wichtigsten Interaktionspunkte implementiert: das Kontaktformular, den Website-Check und die Navigation zu Schlüsselsseiten. Als Web-Agentur, die ihren Kunden GEO und KI-Sichtbarkeit anbietet, gehen wir voran — mit der eigenen Website als erstem Testfeld.

Wenn Sie wissen möchten, ob und wie WebMCP für Ihre Website sinnvoll ist, sprechen wir gerne darüber.