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Webdesign12 min Lesezeit· 19. Juli 2026

Website Relaunch: Die komplette Checkliste für Unternehmen

Ein Website-Relaunch ist einer der häufigsten Gründe für Traffic-Einbrüche. Diese Checkliste zeigt alle Schritte — von SEO-Audit bis Go-live — damit Ihnen das nicht passiert.

Menasse Gebregzi
Website Relaunch: Die komplette Checkliste für Unternehmen

Stellen Sie sich vor: Ihre neue Website ist live. Das Design ist frisch, das Team ist stolz, der Chef freut sich. Drei Wochen später meldet Google Analytics einen Traffic-Einbruch von 58%. Was ist passiert? Keine 301-Weiterleitungen, Content verschwunden, Staging-Seite versehentlich indexiert. Das ist kein Einzelfall — es ist der Standardfall, wenn ein Website-Relaunch ohne Checkliste durchgeführt wird.

Diese Anleitung zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie ein Relaunch gelingt — ohne SEO-Verluste, ohne technische Überraschungen und mit einem realistischen Zeit- und Kostenplan.

Phase 1: Bestandsaufnahme vor dem Relaunch

Der größte Fehler passiert, bevor auch nur eine Zeile Code geschrieben wird: Man fängt an, ohne zu wissen, was man hat. Eine gründliche Bestandsaufnahme dauert 1–2 Wochen und rettet später Monate an Arbeit.

URL-Struktur dokumentieren

Crawlen Sie Ihre bestehende Website mit einem Tool wie Screaming Frog oder Sitebulb. Exportieren Sie alle URLs mit ihren jeweiligen Metriken: monatliche Besucherzahlen (aus Google Analytics), Ranking-Positionen (aus der Search Console oder Ahrefs), Anzahl eingehender Backlinks. Markieren Sie jede URL mit einer Ampelfarbe: Grün = Traffic-Träger, der 1:1 migriert werden muss. Gelb = Überarbeitungsbedarf. Rot = kein Traffic, löschen oder zusammenführen.

Analytics-Baseline erstellen

Exportieren Sie aus Google Analytics die letzten 12 Monate: organische Sitzungen pro URL, Absprungrate, Verweildauer, Conversion-Rate. Diese Zahlen sind Ihr Vergleichswert nach dem Launch. Ohne Baseline wissen Sie nicht, ob der Relaunch geschadet oder geholfen hat.

Backlink-Profil sichern

Backlinks sind das wertvollste Kapital Ihrer Website. Exportieren Sie über die Google Search Console oder Ahrefs alle eingehenden Links mit Quell-URL und Ziel-URL auf Ihrer Seite. Jede Ziel-URL, auf die Links zeigen, braucht später zwingend eine 301-Weiterleitung — auch wenn die Seite im neuen Design gar nicht mehr existiert.

Content-Audit: Was bleibt, was geht?

Bewerten Sie jeden Inhalt einzeln nach drei Kriterien: Bringt er Traffic? Bringt er Anfragen? Ist er noch aktuell? Erstellen Sie eine Tabelle mit allen bestehenden Seiten und entscheiden Sie für jede: Migrieren, Überarbeiten, Zusammenführen oder Löschen. Besonders wichtig: Seiten ohne Traffic, aber mit guten Backlinks — die werden gelöscht, aber die Links müssen erhalten bleiben.

Phase 2: Planung und Konzept

Die neue URL-Struktur festlegen

Bevor das Design startet, muss die Sitemap stehen. Legen Sie fest, welche URLs es im neuen System geben wird — und erstellen Sie parallel dazu die Redirect-Map: Alte URL → Neue URL. Diese Tabelle hat am Ende des Projekts idealerweise keine leeren Felder in der Spalte 'Neue URL'. Jede bestehende URL bekommt entweder eine neue Adresse oder eine Weiterleitung auf die nächstbeste thematisch passende Seite.

Keyword-Recherche nicht vergessen

Ein Relaunch ist die beste Gelegenheit, das Keyword-Set zu erweitern. Prüfen Sie: Welche Suchbegriffe bringen Ihrer Branche Traffic, für die Sie noch nicht ranken? Welche bestehenden Seiten ranken auf Position 4–10 und könnten mit gezielter Optimierung auf Seite 1 rücken? Diese Erkenntnisse fließen direkt in die neue Inhaltsstruktur ein.

Phase 3: Entwicklung mit SEO-Fokus

301-Weiterleitungen: Der kritischste Schritt

301-Weiterleitungen teilen Google mit: 'Diese Seite ist dauerhaft umgezogen.' Google überträgt dabei den größten Teil des Linkjuice auf die neue URL. Ohne Weiterleitungen verlieren Sie jeden Backlink, jeden Ranking-Boost — dauerhaft. Richten Sie die Weiterleitungen schon in der Staging-Umgebung ein und testen Sie sie mit einem Tool wie httpstatus.io oder dem Screaming Frog Redirect-Checker. Prüfen Sie nicht nur die direkte Weiterleitung, sondern auch ob Chains entstehen (A → B → C), die die Ladezeit erhöhen und Linkjuice schwächen.

Meta-Daten systematisch pflegen

Jede Seite braucht einen einzigartigen Meta-Title (50–60 Zeichen) und eine Meta-Description (150–160 Zeichen). Kopieren Sie nicht einfach die alten Texte — nutzen Sie den Relaunch, um die Klickrate zu verbessern. Der Title sollte das Hauptkeyword enthalten, die Description einen klaren Nutzen und eine implizite Handlungsaufforderung. Erstellen Sie eine Tabelle in Excel oder Notion mit allen Seiten und befüllen Sie sie systematisch, bevor die Inhalte eingepflegt werden.

Core Web Vitals von Anfang an beachten

Google bewertet seit 2021 Ladezeit, Interaktivität und visuelle Stabilität als Rankingfaktoren (LCP, INP, CLS). Die häufigsten Probleme bei neuen Websites: unkomprimierte Bilder (immer WebP, nie größer als 200 KB für Content-Bilder), zu viele JavaScript-Dateien, Schriftarten ohne Preloading. Messen Sie die Core Web Vitals des neuen Designs bereits in der Staging-Phase — nicht erst nach Go-live.

Staging-Umgebung korrekt absichern

Die Staging-Seite muss für Suchmaschinen unsichtbar sein. Sperren Sie den Zugriff per HTTP-Authentifizierung (Basic Auth) oder tragen Sie in der robots.txt ein: 'Disallow: /'. Prüfen Sie außerdem, ob der Webserver keinen X-Robots-Tag mit 'noindex' an alle Antworten anhängt. Vergessen Sie nach dem Launch nicht, diese Sperren zu entfernen — das ist ein häufiger Fehler in die andere Richtung.

Die 8 häufigsten Relaunch-Fehler (und wie Sie sie vermeiden)

  • Keine 301-Weiterleitungen: Alle alten URLs liefern 404-Fehler, Google löscht die Seiten aus dem Index. Vermeidung: Redirect-Map erstellen, bevor die Entwicklung beginnt.
  • Content-Verlust durch Redesign: Texte werden gekürzt weil sie 'zu lang' wirken — obwohl genau diese Texte für Rankings verantwortlich waren. Vermeidung: Content-Audit vor dem Design, nicht danach.
  • Schlechteres Hosting: Der neue Anbieter ist günstiger, aber auch langsamer. Core Web Vitals brechen ein. Vermeidung: Hosting-Performance vor dem Wechsel mit GTmetrix vergleichen.
  • Staging nicht gesperrt: Google indexiert die Testversion, Duplicate Content entsteht. Vermeidung: Basic Auth auf Staging, robots.txt prüfen.
  • Zu früh launchen: Das Design steht, aber Redirects, Texte und Analytics sind noch nicht fertig. Vermeidung: Go-live nur wenn die komplette Checkliste abgehakt ist.
  • Analytics-Tracking verloren: Nach dem Launch werden keine Daten mehr erfasst, weil der Tracking-Code fehlt oder falsch eingebunden wurde. Vermeidung: Analytics-Funktion im Staging prüfen.
  • Fehlende Sitemap-Einreichung: Google findet die neue Sitemap nicht und crawlt wochen- oder monatelang langsamer. Vermeidung: Am Launch-Tag neue Sitemap.xml in Search Console einreichen.
  • Interne Links vergessen: Das neue CMS nutzt andere URL-Strukturen, aber alle internen Links zeigen noch auf alte Adressen. Vermeidung: Nach Go-live alle internen Links prüfen (Screaming Frog).

Launch-Tag: Schritt für Schritt

Der Launch-Tag selbst sollte kein Abenteuer sein, sondern ein Prozess. Idealerweise launchen Sie an einem Dienstag oder Mittwoch — nicht am Freitagmittag, wenn das Team am Wochenende nicht erreichbar ist.

  • Morgens: Letzte Datensicherung der alten Website (Datenbank + Dateien)
  • Alle 301-Weiterleitungen mit httpstatus.io testen — kein 404, kein Redirect-Loop
  • DNS-Wechsel durchführen und TTL beobachten (Propagation kann 1–48h dauern)
  • Sobald live: robots.txt prüfen (kein 'Disallow: /' mehr aktiv)
  • Google Analytics: Echtzeit-Bericht prüfen — kommen Daten an?
  • Search Console: Neue Sitemap.xml einreichen
  • Core Web Vitals messen: PageSpeed Insights für Startseite und wichtigste Landingpage
  • Alle Kontaktformulare absenden und prüfen ob E-Mails ankommen
  • Mobile Darstellung auf echtem Gerät testen (nicht nur Browser-Emulation)
  • SSL-Zertifikat prüfen: Grünes Schlosssymbol in allen Browsern?

Nach dem Launch: Die ersten 4 Wochen

Die ersten vier Wochen nach einem Relaunch sind die kritischste Phase. Google re-crawlt die gesamte Website, verarbeitet die Weiterleitungen und bewertet die neuen Seiten. Ein leichter Traffic-Rückgang in den ersten 1–2 Wochen ist normal und kein Grund zur Panik — solange er sich danach wieder erholt.

  • Woche 1–2: Rankings täglich in der Search Console prüfen. Crawl-Fehler sofort beheben.
  • Woche 2: Traffic-Vergleich mit der Baseline. Seiten mit starkem Einbruch einzeln analysieren.
  • Woche 3–4: Backlink-Inhaber kontaktieren und bitten, Links auf neue URLs zu aktualisieren.
  • Laufend: Neue Sitemap einreichen wenn neue Seiten hinzukommen.
  • Nach 4 Wochen: Gesamtbewertung — sind die KPIs stabil oder im Aufwärtstrend?

Timeline: Wie lange dauert ein professioneller Relaunch?

Eine der häufigsten Fragen vor einem Relaunch: Wie lange dauert das? Die ehrliche Antwort hängt stark vom Umfang ab. Was wir in der Praxis sehen:

  • Analyse und Konzept: 1–2 Wochen — Bestandsaufnahme, URL-Audit, Redirect-Map, Keyword-Recherche
  • Design und Abstimmung: 2–4 Wochen — Wireframes, Designentwürfe, Feedbackschleifen (erfahrungsgemäß die Phase mit den meisten Verzögerungen)
  • Entwicklung: 3–6 Wochen — Umsetzung, CMS-Einrichtung, Responsive-Anpassung, Plugin-Integration
  • Content-Migration und SEO: 1–2 Wochen — Texte einpflegen, Weiterleitungen implementieren, Meta-Daten setzen
  • Testing und Launch: 1 Woche — Funktionstests, Performance-Check, Go-live
  • Gesamt: 8–15 Wochen für eine typische Unternehmenswebsite mit 10–30 Seiten

Achtung: Diese Zeitpläne setzen voraus, dass Feedback zeitnah kommt und Content bereitgestellt wird. Die häufigste Ursache für Verzögerungen ist fehlender oder verspäteter Content vom Kunden — nicht die Entwicklung.

Kosten: Was ein professioneller Relaunch wirklich kostet

Transparenz ist uns wichtig: Hier sind realistische Preisspannen für den deutschen Markt, basierend auf unserer Erfahrung aus verschiedenen Projektgrößen.

  • Einfache Unternehmenswebsite (5–10 Seiten, kein Shop): 3.000–6.000 Euro
  • Mittelgroße Website mit Blog und CMS (15–30 Seiten): 6.000–12.000 Euro
  • Komplexe Website mit Kundenportal, Konfigurator oder Shop-Anbindung: 12.000–25.000+ Euro
  • Laufende Kosten nach Launch: 50–200 Euro pro Monat für Hosting, Wartung und Updates
  • Zusatzkosten (nicht immer inbegriffen): Professionelle Fotografie (500–2.000 Euro), Texterstellung (80–150 Euro pro Seite), Videoproduktion

Was viele unterschätzen: Ein schlechter Relaunch kostet mehr als ein guter. Wenn organischer Traffic um 50% einbricht und erst nach 6 Monaten mühsam wieder aufgebaut wird, sind das reale Umsatzverluste, die ein höheres Budget für den richtigen Ansatz von Anfang an bei weitem übersteigen.

Checkliste: Alle Punkte auf einen Blick

  • Vor dem Relaunch: URL-Struktur gecrawlt und dokumentiert
  • Vor dem Relaunch: Analytics-Baseline exportiert
  • Vor dem Relaunch: Backlink-Profil gesichert
  • Vor dem Relaunch: Content-Audit abgeschlossen
  • Planung: Redirect-Map vollständig (alte URL → neue URL für jede Seite)
  • Planung: Neue Sitemap und URL-Struktur festgelegt
  • Entwicklung: 301-Weiterleitungen implementiert und getestet
  • Entwicklung: Meta-Titles und Descriptions für alle Seiten
  • Entwicklung: Canonical Tags korrekt gesetzt
  • Entwicklung: Staging-Seite mit Basic Auth gesperrt
  • Entwicklung: Core Web Vitals im Staging gemessen (LCP < 2,5s)
  • Entwicklung: Bilder in WebP konvertiert und komprimiert
  • Launch-Tag: Datensicherung der alten Website
  • Launch-Tag: robots.txt auf noindex prüfen (muss nach Launch entfernt sein)
  • Launch-Tag: Google Analytics Tracking prüfen
  • Launch-Tag: Neue Sitemap in Search Console einreichen
  • Launch-Tag: Alle Kontaktformulare testen
  • Nach Launch Woche 1–2: Crawl-Fehler in Search Console prüfen
  • Nach Launch Woche 2: Traffic mit Baseline vergleichen
  • Nach Launch Woche 3–4: Backlink-Inhaber kontaktieren

Ein sorgfältig geplanter Relaunch ist keine Garantie für sofort bessere Rankings — aber er verhindert, dass Sie Rankings verlieren, die Sie jahrelang aufgebaut haben. Die Unternehmen, die einen Relaunch als rein gestalterisches Projekt behandeln, bezahlen diesen Irrtum oft mit monatelangen Traffic-Einbrüchen.